Privatschulen – Rede – 5min
Posted by Der Koerper at März 30th, 2009
Es gilt ein Herzlich Willkommen meiner Deutschlehrerin die diese Rede hoffentlich bei Google findet
Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, liebe Schülerinnen und Schüler. In den letzten Jahren als Lehrer an dieser Schule habe ich viel erlebt und viel weitergegeben. Ich möchte Ihnen sagen wie viel mir diese Schule bedeutet, und vor Allem warum ich vor einigen Jahren von einer staatlichen Schule hier her gewechselt bin.
Wie überall zu lesen und zu hören ist, stieg in den letzten Jahren die Zahl der Schulen in freier Trägerschaft rapide an. Mittlerweile sind 6% der deutschen Schulen in privater Hand. Die Schülerzahlen steigen natürlich ebenfalls, wobei wir derzeit ca. 912 300 Schüler in Deutschland haben, die eine allgemein- oder berufsbildende Schule in freier Trägerschaft besuchen. Ich sehe diese Entwicklung sehr positiv! Man kann dort auch trotz der staatlichen Sparpolitik in einem sehr gut ausgestatten Umfeld lernen und lehren. Wie man an dem Beispiel unserer Edith-Stein-Schule sehen kann heben sich die Umstände teilweise sehr deutlich ab.
In letzter Zeit tauchte jedoch vermehrt in verschiedenen „Papiermedien“ das Zitat „Privatschulen führen zu einer Zweiklassengesellschaft auf dem Bildungssektor“ auf. Ich will Ihnen sagen: Eine solche Aussage zeigt die Unzufriedenheit der Lehrer und Schüler an Schulen in öffentlicher Hand und nichts weiter. Hier muss sich nämlich die Frage gestellt werden: Wenn diese Zweiklassengesellschaft besteht, wer muss sich in die Klasse des anderen begeben um die Unterscheidung zu beenden?
Ich meine wo ist die Referenz?
Sind die privaten Schulen besser als „normal“? Sind die staatlichen Schulen schlechter als „normal“? In meinen Augen sollte das niedrigere Bildungsniveau an das höhere angeglichen werden. Oder sagt Finnland nach den Pisa-Ergebnissen: „Oh, es sind so viele schlechter als wir, wir können die Bildung jetzt schleifen lassen.“?
Und schon hier stößt der Vorwurf an seine Grenzen! Es wird gesagt, die Privatschulen seien Schuld an der Unterscheidung. Doch genau das Gegenteil ist der Fall: Die staatlichen Schulen sind der Grund! Wäre dort die Ausrüstung, das Personal – also im Grunde die Finanzierung – auf gleichem Level mit den Schulen in privater Hand, gäbe es keine Unterscheidung mehr.
Ich höre schon die Eltern der staatlichen Schüler rufen, dass das Schulgeld an den Schulen in freier Trägerschaft sozial schwache Familien ausgrenzen. Doch liebe Kollegen und Schüler – Wissen Sie warum wir dieses Schulgeld vor nicht allzu langer Zeit auch bei uns einführen mussten? Ja genau, weil das Land Thüringen weitere Zuschüsse für die Bildung gekürzt hat!
Ich erlaube eine Frage in diesem Konflikt: Es wird nämlich zu recht gefragt wo das Geld für die privaten Schulen herkommt. Können beliebig viele Schulen mit einem solchen Budget in Deutschland gegründet und gehalten werden? Wäre dass nicht das Ende der Bildungsnot, wie es einige mittlerweile nennen, in Deutschland? Wäre das nicht die Lösung der Probleme die unsere Regierungen in diesem Bereich haben?
Ob das die Lösung wäre sei dahingestellt, aber ist es denn überhaupt möglich? Über 80% der privaten Träger sind katholische und evangelische Einrichtungen. Diese werden also mehr oder weniger über die Kirchensteuer finanziert. Schon am Wort merkt man, es ist auch eine „Steuer“. Die Geldquelle sind also auch die Bürger, in diesem Falle die Christlichen. Hier kann man also leider nicht unendlich viel Geld erwarten. Die restlichen 20% verteilen sich hauptsächlich auf Waldorf- und Montesorischulen. Diese sind aber völlig außen vor zu lassen, da sie teilweise sozial nicht gestaffelte Schulgelder von bis zu 200€ fordern.
Die staatliche Schule ist also auf Dauer auf keinen Fall ablösbar. Jedoch muss sie sich weiter mit der Zeit entwickeln! Genau zu dieser Entwicklung tragen doch die Privatschulen bei. Man versucht den Vorsprung aufzuholen. Schließlich will jede Schule, alleine schon wegen einer eventuellen Finanzmittelkürzung, ihre Schülerzahlen halten oder gar erhöhen. Es besteht also auch auf dem Sektor der Bildung eine Art Wettbewerb.
Dieser ist für beide Parteien notwendig und förderlich. Denn ohne Anreiz kann nichts passieren! Nicht nur in der Wirtschaft!
Ich möchte aber betonen, dass es auf keinen Fall darum geht die staatlichen Schüler, Lehrer und Schulen hinten an zu stellen. Der Bildungsauftrag liegt noch immer beim Staat, und den wird er auch sicher nicht abgeben können. Eine öffentliche Bildungsarbeit ist der Grundstock für eine funktionierende Gesellschaft. In dieser Gesellschaft können aber genauso zusätzliche Schulen entstehen, die eine schnellere Entwicklung vollziehen und so neue Standards setzen. Ebenfalls sind sie nicht nur für die „Unterschicht“ da. Sowohl private als auch staatliche Schulen müssen für alle Bevölkerungsschichten zugänglich sein. Leider funktioniert dieser Punkt in der Realität nicht zu 100%. Vor allem die christlichen Schulträger sind aber bemüht dem durch Fördervereine, Stiftungen und ähnliches möglichst nahe zu kommen.
Bitte bedenken Sie als Lehrer, sie sind gut ausgestattet aber das ist nicht überall so!
Und Ihr, liebe Schüler: Bedenkt, dass ihr nicht etwas „besseres“ seid. Sondern betrachtet es als besondere Chance, eine Schule in freier, in christlicher Trägerschaft besuchen zu dürfen!